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Müdikeit und Erschöpfung durch schlechte Büroraumluft © iStock Mag. Brigitte John-Reiter, Projektleiterin des Kompetenz-Zentrums Gesundes Bauen und GF der Österr. Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention: „Der Mitarbeitergesundheit wird zu wenig Beachtung geschenkt, in der Planungs- und Bauphase wie auch im täglichen Büroalltag.“
November 2014

Gesundheitsrisiko Büro

Raumluftqualität als Konzentrationskiller und Krankmacher

Die unabhängige Plattform MeineRaumluft.at hatte letztes Jahr österreichische Unternehmen dazu aufgerufen, sich an einer einzigartigen Aktion für Raumluftmessungen zu beteiligen. Nun sind die Endergebnisse da, und sie zeigen ein alarmierendes Bild. Mehr als 7.000 Einzelmesswerte aus Hunderten Büroräumlichkeiten, vom Einzelunternehmer bis zum Konzern, ergeben, dass in über 80 Prozent der teilnehmenden Büros zumindest einer der für die Raumluftqualität relevanten Indikatoren punktuell überschritten worden ist. Experten warnen daher vor den negativen Auswirkungen auf Arbeitsleistung und Krankenstandstage.

Für Mag. Brigitte John-Reiter, Projektleiterin des Kompetenz­Zentrums Gesundes Bauen und Geschäftsführerin der Öster­reichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention, sind die Ergebnisse der Raumluftmessungen „ein klarer Beweis, dass dem Raumklima in Büros und damit der Mitarbeitergesundheit zu wenig Beachtung geschenkt wird, in der Planungs- und Bauphase, wie auch im täglichen Büroalltag.“

Dies liege sicher auch daran, dass es bis jetzt keine verlässlichen Daten gebe, wie viele Krankenstände und Krankheitsbilder tatsächlich im Zusammenhang mit den klimatischen Bedingungen in Arbeitsräumen stehen, so John-Reiter. Hier sei aus ihrer Sicht „dringlicher Forschungsbedarf gegeben, denn konkrete Zahlen daraus würden vielen Unternehmen die Augen öffnen, richtet John-Reiter einen klaren Appell an die Versicherungsträger und Arbeitsmediziner.

Zu trockenes Betriebsklima

Neben dem CO2 spielt die Luftfeuchtigkeit in Büroräumen, vor allem in der Heizperiode und beim Einsatz von Klimaanlagen, eine wesentliche Rolle. Die Büromessungen haben in diesem Zusammenhang ergeben, dass in über einem Drittel der Büros die Luftfeuchtigkeit sogar unter 30 Prozent liegt und es damit zu trocken ist. Dies verschärft sich in der Heizperiode drastisch, dann ist bei nahezu jedem zweiten Büro die Luftfeuchtigkeit zu niedrig.

Heißer Bürodienst

Weiters zeigen die Ergebnisse der Büromessungen, dass in mehr als jedem zehnten Büro die Temperaturen über 25 Grad liegen. Dieser Wert steigert sich während der Sommermonate, wo in jedem sechsten Büro zu heißer Dienst verrichtet wird. In Arbeitsräumen mit geringer körperlicher Tätigkeit – wie in Büros üblich – liegt die ideale Temperatur zwischen 20 und 22 Grad. Die Arbeitsstättenverordnung schreibt hier einen Bereich von 19 bis 25 Grad vor. Eine zu hohe Temperatur führt zu Müdigkeit und schnellerer Erschöpfung. Die Folge: Hitze im Büro senkt die Produktivität.