RMINE
Gerhard Haumer, Geschäftsführer Porreal Immobilien Management GmbH
November 2014

Facility Management – Streben nach Anerkennung

Das Facility Management ist seit Jahrzehnten bereits in „aller“ Munde. Aber hat es sich bereits durchgesetzt? Noch mehr die Frage: Haben die
Entscheidungsträger den Mehrwehrt verstanden?

Facility Management hat es geschafft, dass es sich am Markt sehr gut etabliert hat – aber hat es das wirklich? Es gibt eine Reihe von FM-Ausbildungen, die international gut vernetzt sind und die weit über unsere Grenzen hinaus anerkannt sind. Einige davon auf akademischem Niveau. Für Nachwuchs ist also gesorgt.

Auf Seiten der Dienstleistungsanbieter gibt es eine große Auswahl von Unternehmen mit unterschiedlichen Kernkompetenzen und verschiedenster Herkunft. Man sollte also glauben, dass diese Dienstleister im Sinne des Lebenszyklus-Gedanken bereits vorzeitig bei Projektenwicklungen mitarbeiten. Und diese Konzepte daraufhin auch im Betrieb umsetzen. Großteils aber warten die meisten darauf, dass eine Ausschreibung vom Markt – durch Berater erstellt – kommt. Diese wird dann brav ausgepreist und oftmals über den Preis vergeben. Oftmals sogar, wenn die Anforderungen und die Anzahl und Fabrikate der zu betreuenden Anlagen noch nicht bekannt sind.

Leider wird dabei mehrfach auf die Ausbildung der Mitarbeiter, die die Qualität der Dienstleistung definieren, vergessen. Dies insbesondere auf der Anbieterseite, aber auch auf der Auftraggeberseite, die diese Bemühungen und Kosten schätzen und bewerten. Hier gibt es bedauerlicherweise keine Zusammenarbeit bei der Aus- und Weiterbildung der Immobiliendienstleistungsbranche, insbesondere auf Fachkräfte-Ebene. Aus welchen Gründen auch immer!

Ein wirklicher Kreativprozess, wie die optimale Betriebsführung und das FM organisiert werden kann, wird nur sehr selten initiiert. Ein ähnlicher Ablauf wie bei einem Architekturwettbewerb wäre im FM-Bereich förderlich. Einerseits wird die Kreativität auf Anbieterseite angeregt und anderseits können dann Gesamtprozesse und nicht nur Einzelpreise bewertet werden.

Auf Auftraggeberseite werden leider demgegenüber noch immer Grundlagen wie die zukünftigen Betriebskosten als Wunschorchester erfunden und ohne einen Abgleich mit der Realität durchgeführt. In solchen Fällen natürlich ohne Beiziehung von im Betrieb erfahrenen Experten in der Planungs- und Errichtungsphase einer Immobilie. Die danach zugezogenen Berater für die Ausschreibungen dürfen dann ein Leistungsverzeichnis erstellen und an eine Vielzahl von Anbietern versenden. Das Ziel dafür ist klar: Es muss ein Ergebnis her, das genau die falschen Betriebskostenschätzungen umsetzbar erscheinen lässt – ganz egal was es kostet bzw. welche Qualität damit verbunden ist.

Leider kommen solche „Projekte“ noch immer im österreichischen Markt vor. Dass es auch anders geht, zeigen vorausschauende fortschrittliche Bauherren und Projektenwickler vor: Einbeziehung der erfahrenen Facility Manager bereits in der Projektierungsphase. Dass sich dieses Vorgehen lohnt, zeigen viele umgesetzte Immobilienprojekte in Österreich und im Ausland.  Auch ein Blick ins mittel- und osteuropäische Ausland zeigt ein ähnliches Bild.

Das Streben nach Anerkennung hat also noch einen weiten Weg, bis es sich zum Normalzustand entwickelt. Genau die Zusammenarbeit von Entwicklern mit Vermarktern und Facility Managern von Anbeginn an stellt das Verbesserungspotential der Zukunft dar.