RMINE
Juli 2013

Gebäudebestands-Pläne für BIM: Schluss mit lustig!

Der ewige Kampf der „Kreativen“ (Architekten) gegen die „Techniker“ (Bauingenieur, Haustechniker, Facility Manager…) ist
zumindest bei BIM entschieden. Nicht mehr „entweder – oder“, sondern „sowohl als auch“ ist angesagt, Kooperation gefragt.
Von Beginn an. Ab dem ersten Bestandsplan!

Gastkommentar des St. Pöltner Geometers Hanns H. Schubert

Wer nachhaltig und lebenszyklusbegleitend planen, bauen und betreiben will, braucht von Anfang an „richtige“ Entscheidungsgrundlagen. Das beginnt – no, na – mit Bestandsplänen, die diesen Namen auch verdienen. Daher: Schluss mit der bisherigen, in Österreich so beliebten, Praxis à la „Genommen wird erst einmal, was an Plänen da ist, dann werden wir schon weiter sehen!“ Das allenfalls ergänzende „Nachknipsen“ mit dem Disto zur „Verschlimmbesserung“ des Planschrotts ist nicht mehr als reine Augenauswischerei!

Der erste Verhinderer brauchbarer Plangrundlagen ist nur allzu oft der Bauherr, der nicht einsehen will, dass er schon zu Beginn für etwas Geld ausgeben soll, was ohnehin schon vorhanden ist. Die Planer lassen sich dann breitschlagen, weil sie gerade in der Startphase ohnehin einen Mehrfrontenkrieg unter Zeitdruck führen müssen und machen ihre ersten Entwürfe auf Grundlage überholter, ungenauer und oft grob falscher Plangrundlagen. Draufzahlen muss dann in erster Linie der Bauherr selbst, weil von Beginn an am falschen Ende gespart wurde. Untaugliche Pläne führen zwangsläufig zu vermeidbaren Zeitverzögerungen und Mehrkosten bei Planung, Bau und Betriebskosten.

Ohne exakte Bestandspläne kein BIM!

Das 3D-Datenmodell von BIM kennt da kein Pardon: Jeder Bestandsplan hat ein Abbild des Gebäudes nach klar definierten Vorgaben zu sein! Dazu gibt es – Gott sei Dank – auch entsprechende Normen, wie die neue ON A-6250 (klare Regeln für Bestandsaufnahmen), sowie einen entsprechenden Spielraum der Vereinbarung zwischen Planer und Gebäudevermesser*) hinsichtlich der Datenstruktur und der „Erfassungstiefe“.

Mit der Einführung von BIM kommt es auch zu einem Paradigmenwechsel in der Herstellung von Bestandsplänen: Nicht nur für Gebäude, sondern auch für die gesamten Liegenschaften. Das beginnt bei den Aufschließungs-Straßen samt allen Leitungen für Ver- und Entsorgung (die Kanalsohle ebenso wie die Gasleitung oder der Lichtwellenleiter), über die – rechtlich gesicherten! – Grundgrenzen bis hin zur Grundstücksfläche bis an die Gebäudeumrisse. Und von dort über die Stiegenhäuser und Aufzüge bis in die Räume, wenn erforderlich, bis zu den Steckdosen.

Selbst das kleinste Element muss bei BIM in datenbankfähigen Plänen so abgelegt werden, dass es jederzeit „auf Knopfdruck“ von allen Projektbeteiligten aufgerufen und bearbeitet werden kann.

Gefragt: Ein umfassender Mix an Messmethoden

Wer sind nun die „Wunderwuzzis“ in Österreich, die dieses komplexe Feld der BIM-Bestandsplan-Herstellung auch wirklich beherrschen? Da gibt es nur sehr wenige Spezialisten, die mit enorm viel Entwicklungsaufwand heute schon so weit sind, dass sie auch die gängigen Softwaresysteme wie AutoCAD, REVIT, ArchiCAD, Allplan & Co direkt befüllen können. Jedenfalls endet in der BIM-Welt die Existenzberechtigung der billigen Messtrupps mit dem Disto alleine. Auch Laserscanner alleine sind noch lange nicht der Weisheit letzter Schluss. Die echten Profis setzen heute – je nach konkreter Aufgabenstellung – eine Auswahl aller verfügbaren Messmittel ein.

*) Ob Rollmaßstab, Disto, Theodolit mit Spezialprogrammen, Spezialmessgeräte für Direktmessung in ArchiCAD, Revit etc. bis zum Laserscanner. Nur der optimale Mix von Instrumenten, Software und Technologien in Händen erfahrener Gebäudevermesser garantiert BIM-taugliche Gebäudebestands-Pläne zu günstigen Preisen.