RMINE
Gerhard Hofer, e7 Hannes Erber, Porr Bau GmbH Zusammenhang von Gesamtkosten der Errichtung und Folgekosten gemäß ÖNORM B 1801-22
November 2014

Lebenszykluskostenrechnung in der Vergabe

Die Arbeitsgruppe „Lebens­zyklus­kostenrechnung im Vergabewesen“ der IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU erstellte für das zukünftige BVergG 2016 einen Entwurf der Erläuterungen zum Artikel 68 der EU-Richtlinie über die öffentliche Auftragsvergabe. „Das ist besonders interessant, weil zum ersten Mal die „Lebenszykluskostenrechnung“ als Grundlage zur Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten Angebotes ausdrücklich möglich ist“, beschreibt Prof. Helmut Floegl von der Donau-Universität Krems die zukunftsweisende Neuerung im Vergabewesen.

Damit werden auch die Folgekosten des Betriebs berücksichtigt. „So werden mit öffentlichen Geldern heute die richtigen Entscheidungen getroffen, um den späteren Generationen weder Energieschleudern noch funktionsunfähige Gebäude zu hinterlassen“, so Gerhard Hofer von der e7 Energie Markt Analyse GmbH. Die Lebenszykluskostenrechnung würde insbesondere Chancen für energieeffiziente und nachhaltige Gebäudelösungen bieten: „Gerade für solche Fälle lässt sich der Vorteil niedrigerer Energiekosten schon vor und während der Planung sowie in der Vergabe berücksichtigen.“

Unter der Leitung von Prof. Helmut Floegl, Donau-Universität Krems, und Stephan Heid, IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU, Heid Schiefer Rechtsanwälte, wurden unter Beteiligung von LCCO3 – Life Cycle Cost Optimisation, e7 Energie Markt Analyse GmbH, Aluminium-Fenster-Institut (AFI), LC Builidings GmbH, ATP architekten ingenieure, Allplan GmbH, und PORR Bau GmbH klare Regeln für den öffentlichen Auftraggeber in Bezug auf die gesamte mögliche Palette der Vergaben bei Gebäuden erarbeitet.

Nachhaltiges und integratives Wachstum

Die Notwendigkeit dazu leitet sich direkt aus einem Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates über die öffentliche Auftragsvergabe  ab, und zwar in Form der  EU-Richtlinie 2014/24/EU vom 26. Februar 2014. Die Herausforderung ist die, dass diese EU-Richtlinie binnen zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden muss. Sie wird beim zukünftigen BVergG 2016 als Vergabekriterium gelten. „Für eine Immobilie muss dann auch schon in der Planungs- und Errichtungsphase ein kostengünstiges Betreiben und Nutzen, also bezüglich Energie, Instandhaltung oder Reinigung, mitbedacht werden“, zieht Prof. Helmut Floegl die Schlüsse. „Es entspricht auch unseren Erfahrungen bei Projekten, in denen wir als Totalunternehmer tätig sind, dass die frühzeitige Einbindung der Gebäudebewirtschaftung in den Planungsprozess wesentliche Kosten sparen kann“, berichtet Hannes Erber von der Porr Bau GmbH.

Nun ist die Auftraggeberseite gefordert. Ein Auftraggeber könnte eigentlich auch weiterhin bei den monetären Kriterien nur auf den Preis schauen. „Hier braucht es einen Paradigmenwechsel und ein Angebot an die Bauherren, ihre neue Rolle erfüllen zu können“, so Stephan Heid.

Die IG LEBENS­ZYKLUS HOCHBAU wird durch die Entwicklung von Beispielkatalogen den Bauherren dabei jedenfalls unterstützen.

Darüber hinaus wurde mit der ÖNORM B 1801-4:2014 die Rechenmethodik für Lebenszykluskosten standardisiert.