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Hanns Schubert, DI Hanns H. Schubert ZT-GmbH Edmund Bauer, dibau-ZT Bernhard Herzog, M.O.O.CON Das 2013 entwickelte Organisationsmodell der IG Lebenszyklus Hochbau zeigt auf, wie ein lebenszyklusorientiertes Projekt organisiert werden kann. 2014 wurden die dem Organisationsmodell entsprechenden Leistungsbilder für die Bereiche des Projektmanagements und der Integralen Planung entwickelt. Auch das Organisationsmodell selbst wurde präzisiert und enthält nun eine eindeutige Ebene der Prozessführung in den Bereichen Planung, Errichtung, Finanzierung und Bewirtschaftung.
November 2014

Leistungsbilder für integrale Planung und Projektmanagement

In dem 2013 veröffentlichten Leitfaden „Der Weg zum lebenszyklusorientierten Hochbau“ listet die IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU erstmals alle Leistungen sämtlicher Projektbeteiligten über alle Phasen des Lebenszyklus auf. 2014 ging man einen Schritt weiter. Jetzt gibt es detaillierte Leistungsbilder für Integrale Planung und alle Rollen des Projektmanagements.

Leistungsbild integrale Planung

Es ist der Zug der Zeit, dass auch Bauprojekte in komplexen Zusammenhängen gedacht werden. Prof. Christoph M. Achammer, Vorstand IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU, ATP architekten ingenieure, sieht Handlungsbedarf, um Vorstellung und Realität von Bauabwicklungen wieder unter einen Hut zu bekommen: „Der weit verbreitete Irrtum, dass die vertragliche Definition einer Generalplanung gleichzeitig eine Prozessveränderung bewirkt, soll damit korrigiert werden.“

Hanns Schubert, Geschäftsführer von der DI Hanns H. Schubert ZT-GmbH, sieht es als Investition in die Zukunft, sich mit Neuerungen im Planungsprozess auseinanderzusetzen: „Es geht um ein neues Gemeinschaftsdenken zum Wohle der Firmen und des Bauherrn.“ Ein gemeinsames Grundverständnis müsse Sorglosigkeit und gegenseitige Beschuldigungen bei Nachforderungen endlich ersetzen: „Mit dem jetzt erstellten, erweiterten Leitfaden geht es um eine systematische Erfassung, worauf man beim Bauprozess aufpassen muss, damit nichts schief geht.“

Unter der Leitung von Prof. Christoph M. Achammer beschäftigte sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe damit, ein integriertes Leistungsbild über alle Leistungsphasen und alle Planungsbereiche unter Einbeziehung der BIM-Thematik aufzubauen. „Integrale Planung bedeutet, dass interdisziplinäre Teams, bestehend aus Architekten und Ingenieuren, gemeinsam von Beginn an ein Haus entwickeln und damit der derzeit konsekutive Planungsprozess, in dem Ergebnisse der fachplanenden Ingenieure in ein mehr oder weniger bestehendes bauliches Konzept eingearbeitet werden, zu einem simultanen Prozess aller Beteiligten weiterentwickelt wird“, veranschaulicht Achammer die neue Herangehensweise für Hochbauprojekte.

Leistungsbild überarbeitet

Das integrierte Leistungsbild basiert auf der Abschlussdokumentation der Arbeitsgruppe 2013 Integrale Planung der IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU bzw. den neu geschaffenen Leistungsbildern  durch Prof. Lechner sowie dem Letztstand der Deutschen HOAI 2013. Die Arbeitsgruppe der IG Lebenszyklus  HOCHBAU hat nun versucht, die bestehenden vertikalen, nach Planungsbereichen gegliederten Leistungsbilder für den gesamten Planungsprozess  neu zu gliedern. Das gesamte Leistungspaket wurde unter einem integralen Ansatz wie folgt neu ausgerichtet und bringt die jeweils beschriebenen Nutzeneffekte:

  • Sämtliche Leistungen in den Bereichen Architektur, Tragwerksplanung, Haustechnik, Brandschutz und Bauphysik werden für alle Phasen der Planung, Ausschreibung und Vergabe, unabhängig von der jeweiligen planerischen Bereichszuordnung, nunmehr über Ergebnisdokumente definiert. Dank dem integralen Prozess entfallen damit jede Menge Redundanzen.
  • Die Leistungen der Örtlichen Bauaufsicht und Fachbauleitungen werden im Wesentlichen aus den bestehenden Leistungsbildern übernommen. Dabei wird die Ausführungsqualität in Bezug auf die in der Planung geforderten Ergebnisse dadurch sichergestellt, dass sie von  Leistungen getrennt werden, welche die organisatorisch operativen Aktivitäten der Bauausführung betreffen.
  • Die Prozessführung der Planung – also die inhaltliche und organisatorische Führung des gesamten Planungsprozesses – wird unter einem eigenen Leistungsbild „Prozessführung/Planung“ zusammengefasst. Als Folge sind alle Planungsleistungen koordinativ zu führen, Planungskonflikte der einzelnen Bereiche mit Fachkompetenz zu lösen und der gesamte Planungsbereich gegenüber der Projektleitung des Bauherrn zu vertreten.
  • Die Erarbeitung dieser Unterlagen erfolgte in einer Kerngruppe ATP, MOOCON, DELTA BEHF  und wurde in regelmäßigen Abständen durch eine sogenannte Feedbackgruppe, in der Vertreter aus allen Bereichen des Planens und Bauens präsent waren – u.a. die Unternehmen, Allplan, Kunz Brandschutz, Eckersdorfer, Schubert Zivil­techniker, Artner, PORR und e7 – kommentiert und verbessert. „Die von der Arbeitsgruppe erhofften Auswirkungen in der Praxis sollten dazu führen, dass der integrale Planungsprozess, der in allen anderen Branchen seit Jahren Standard ist, auch im Hochbau angewendet wird“, ermuntert Achammer die beteiligten Branchen, den Paradigmenwechsel nachzuvollziehen.

Integration von BIM

Unterstützt wird der Prozess einer integralen Planung durch die Möglichkeiten, die Building Information Modeling (BIM) bietet. „Dabei arbeiten alle Prozessbeteiligten an einem für alle sichtbaren dynamischen Modell, das bei Abschluss der Planung das virtuelle Abbild des real zu bauenden bzw. später gebauten Hauses sein wird. Damit wird es aber auch möglich sein, schon in frühen Planungsphasen Aussagen und Simulationen über das zukünftige Haus zu treffen, welche fundiertere Planungsentscheidungen ermöglichen“, fasst Prof. Achammer die Vorteile von BIM zusammen. Dies betreffe alle für das Bauen wichtigen Parameter, also zum Beispiel ökologische, finanzielle oder energetische – und er ergänzt: „Selbstverständlich gibt es auch frühzeitig präzisere Aussagen für zukünftige Betriebskosten, und dann können planerische Entscheidungen zur Veränderung dieser Betriebskosten getroffen werden.“

3D für den Bestand

Edmund Bauer, der mit Schubert seit 2013 unter der gemeinsamen Marke Die BIM Vermesser firmiert, sieht BIM als einen wesentlichen Teil der integrativen Planung, und für ihn führt daran in Zukunft auch kein Weg vorbei: „Der Großteil der Planungen betrifft das Bauen im Bestand und nur eine 3D-Planung, die die tatsächlich vorgefundenen Verhältnisse abbildet, ermöglicht eine gute und überschaubare integrative Planung.“ Dort gebe es nicht immer streng parallele Wände, und Stützen stünden nicht immer genau übereinander bzw. würden erfolgte Umbauten nicht in den uralten Einreichplänen nachgetragen. Das vorhandene Planmaterial sei daher schon für die klassische 2D-Planung fast immer unbrauchbar, es könne bei 3D BIM-Planungen im Bestand auf aktuelle, geometrisch vermessene 3D BIM-Gebäudemodelle nach ÖNORM A-6250-1 daher keinesfalls verzichtet werden.

Zukunftsfit mit BIM

Eines der ersten in Österreich umfassend umgesetzten BIM-Großprojekte, die neue ÖAMTC-Zentrale in Wien Erdberg, ist das beste Beispiel, dass auch bei Neuplanungen der Einsatz von BIM für alle Beteiligten entscheidende Vorteile bringt. Im Unterschied zur bisherigen Vorgehensweise werden dabei nur mehr Pläne erstellt, die für alle Beteiligten kommunizierbar sind mit dem Ziel, Mehrgleisigkeiten und Widersprüche damit letztlich zu vermeiden und die Abstimmung unter den Professionisten zu erleichtern. Hanns Schubert mit dem nach eigenen Angaben ältesten Vermessungsbüro des Landes sieht für die am Bau beteiligten Professionisten aber langfristig betrachtet eine Notwendigkeit, sich mit dem Thema BIM auseinanderzusetzen: „Auf europäischer Ebene wird es bei Ausschreibungen ein Kriterium sein, ob man damit arbeitet oder nicht.“

Bauherren-Aufgaben klar definieren

Ziel der Arbeitsgruppe „Leistungsbilder Projektmanagement“ war die Definition der Rollen Projektleitung, Nutzer PS und Bau PS inkl. aller Beratungsrollen aus Recht, Finanz, Prozessmoderation sowie auf der Auftraggeber-Ebene das Leistungsbild für die begleitende Kontrolle.  Gruppenleiter Bernhard Herzog von M.O.O.CON verweist auf das Ergebnis: „Wir haben nun für alle vom Bauherrn zu verantwortenden Leistungen des Projektmanagements aufeinander abgestimmte Leistungsbilder.“ Die nicht unwesentliche Folge davon soll sein, dass es keine vergessenen Leistungen gibt, die später zu Nachträgen führen, sowie die Vermeidung von doppelter Beauftragung aufgrund sich überschneidender Leistungen. Herzog: „Damit kann ich als Bauherr bei der Beschaffung auf einen aufeinander abgestimmten Satz an Leistungsbildern zurückgreifen, der an Nachhaltigkeit und Lebenszyklus orientiert, aber offen für verschiedene Beschaffungsmodelle einsetzbar ist.“

Unter der Beteiligung von ATP architekten ingenieure, DELTA, TU Wien und von Norbert Preuß wurden bestehende Leistungsbilder auf das Organisationsmodell der IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU adaptiert.

Konkret hieß das:

  1. Die Verstärkung von Nachhaltigkeitsthemen.
  2. Die Fokussierung auf den auf Lebenszyklus ausgerichteten Prozess.
  3. Die integrale Abstimmung aller Leistungsbilder zueinander.
  4. Der Projektleiter steht im Zentrum des Projektes.
  5. Anwendbar für alle im Leitfaden beschriebenen sechs Beschaffungsmodelle der IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU.

Da Leistungsbilder an die spezifischen Projektbegebenheiten anzupassen sind – dies gilt vor allem für die Leistungen im Rahmen von Vergabeverfahren je nach gewähltem Beschaffungsmodell –, wurde in den Vorbemerkungen der einzelnen Leistungsbilder beschrieben, wie eine Adaptierung auf die Modelle erfolgen kann. Erstmals liegt damit der Schwerpunkt nicht auf Einzelvergaben, sondern es sind alle in der IG LEBENSZYKLUS HOCHBAU definierten Vergabemodelle betroffen, also von Einzel- über Paket- zu TU- und LZU-Vergaben.